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Infos > Dominikanische Republik
Die Erwerbsstruktur und soziale Situation der Bevölkerung:
Die Wirtschaftsstruktur des Landes hat sich in den letzten 40 Jahren maßgeblich verändert und hatte auch Auswirkungen auf die Bevölkerung. Heute arbeiten zwar immer noch viele erwerbstätige Menschen im Agrarsektor, doch ist dessen Bedeutung zugunsten des Tourismus, auch unter dem Gesichtspunkt der Quantität der Arbeitsplätze, weit zurückgegangen. Heute sind mehr denn je eine Vielzahl von Arbeitsplätzen direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig. Im Zuge dieser Entwicklung konnte sich daher auch eine Mittelschicht herausbilden, die zu Beginn der 1960er Jahre überhaupt nicht vorzufinden war und zunehmend an Bedeutsamkeit gewann.
Jedoch kann dieser Umstand nicht über die soziale Realität des Landes hinweg täuschen. Dies lässt sich besonders gut an der Einkommensverteilung ablesen. 1998 verfügte das reichste Fünftel der Bevölkerung über mehr als 53% aller Einkommen, wohingegen sich auf das ärmste Fünftel lediglich knapp 5% aller Einkommen verteilte. Noch anschaulicher wird diese Ungleichheit in der Verteilung der Einkommen, wenn man den Anteil des reichsten Zehntels betrachtet, welcher ganze 37,9% ausmacht. So führte der stattliche Zuwachs des BIP pro Kopf von rd. 1.040 US$ (1990) auf 2.110 US$ (1999) nicht dazu, dass untere Einkommensschichten davon profitieren konnten. Seit Beginn der 1990er Jahre nahm die Einkommenskonzentration auf die obersten 30% der Bevölkerung leicht, aber stetig zu. Demzufolge verschlechterte sich die Einkommenssituation für die ärmeren und ärmsten Schichten. Viele Menschen verdienen ihr Geld im "informellen Sektor" - es gibt für viele, besonders für die Unqualifizierten, keine Formalisierung der Arbeitsverhältnisse (d.h. nur mündlich ausgesprochene kurzfristige Arbeitsverträge, keine Arbeitsschutzgesetze, keine Lohnfortzahlung, keine soziale Absicherung), und dazu (typisch für Arbeiten im informellen Bereich) ist die Arbeit der Geringverdienenden Dominikaner sehr unproduktiv.
Weshalb sich aber aufgrund dieser Lage der Bevölkerung das politische System nicht begann zu destabilisierten, wird u. a. auf zweierlei Faktoren zurückgeführt. Einerseits dienen die halbe Million illegalen Einwanderer aus Haiti als stilisierte Sündenböcke und wurden bis in die Gegenwart hinein Opfer von Gewalt, Diskriminierung und Ausbeutung. Grundlage hierfür ist die Zeit der haitianischen Besetzung des Landes von 1822 - 44 und dem daraus entstandenen Hass, sowie Rassismus, der kennzeichnend für die Dominikanische Republik ist. Dieser Umstand war stets ein gern benutztes propagandistisches Element der Politik. Auf der anderen Seite sorgt die meist illegale Arbeitsmigration vor allem in die USA für eine Entlastung des staatlichen Arbeitsmarktes und dient, mit Einschränkungen, der Verbesserung der Lebensbedingungen der betreffenden Menschen sowie - über Geldtransfers - auch der zurückgebliebenen Familienangehörigen. Die jährlichen Überweisungen von im Ausland lebenden Dominikanern erreichen dreistellige Millionenbeträge.
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